Sonntag, 9. Oktober 2011

Über 'unvorteilhaft investierte Zeit', Hahnenkämpfe und Froschschenkel


Heute haben wir Sonntag, den 9.10.2011. Ich blicke auf eine lange Woche in Vimukti zurück. Es ist bei mir gerade Nachmittag und ich bin erst seit ein paar Stunden wieder zurück in Vijayawada.  Die Tatsache, dass ich erst seit heute Vormittag wieder zurück bin hängt mit der eigentlich schon fast vorhersehbaren Zerstreutheit der Inder zusammen; das Vimukti - Abschlußfest fand nämlich nun doch nicht, wie ursprünglich angekündigt, am Mittwoch statt, sondern gestern Abend. Sprich bis heute Morgen befand ich mich noch in der Einöde von Vimukti und fühle mich aufgrund der heute Vormittag ewig langen Rückreise nach Vijayawada den Umständen entsprechend geschlaucht (auch weil ich gesundheitlich nicht ganz in Ordnung bin, aber dazu später mehr). Ein Roman wird daher jedenfalls heute wohl eher nicht zu erwarten sein. Aber mal sehen.

Kommen wir zurück zum bereits erwähnten Stichwort -lange Woche-. Lange fühlt sich eine Woche besonders dann an, wenn sie entweder 'unvorteilhaft investiert' scheint oder wenn sie anstrengend ist. In meinem Fall hat sie sich eigentlich weniger anstrengend angefühlt - unter Anderem weil wir nur ein einziges Mal English class hatten, da dauernd irgendwas 'Besonderes' für den Tag vorgesehen war, von dem Konrad und ich natürlich, so wie eigentlich immer, erst kurz vor der class erfahren haben und was somit unsere Wochenplanung für die class zu nichte gemacht hat-, als dass sich meine Woche 'unvorteilhaft investiert' angefühlt hat. Dieses Gefühl, die Zeit 'unvorteilhaft investiert' verbracht zu haben, hing in meinem Fall meistens mit dem für den jeweiligen Tag bereits erwähnten 'besonderen Programm' zusammen. Nun, man kann es sich eigentlich schon denken, 'besonderes Programm' hieß zumeist ganz einfach Cricket. Gut, am Donnerstag war Feiertag, das war aber auch eigentlich der einzige Tag an dem ich es verstanden habe, dass die class ausfällt. Natürlich war klar, dass die Burschen, in ihrer letzten Woche in Vimukti, keinen mühsamen Stoff durchkauen wollen. Aber das hatten Konrad und ich auch nicht geplant, wir hatten kleine Storys zusammengestellt die sie, natürlich als Englischsprechende Darsteller, in verschiedenen Gruppen nachspielen sollten. Schauspielen macht den Burschen nämlich eigentlich einen Heidenspaß, wie wir schon letzte Woche festgestellt haben, als wir -zu dem Zeitpunkt ebenfalls im Glauben es handle sich um die letzte Woche im Camp-, uns ein paar Storys zum damals aktuellen Thema 'Handelssituationen' aus dem Finger gezogen haben. Aber warum genau hat sich die Zeit jetzt 'unvorteilhaft investiert' angefühlt!? Um es auf den Punkt zu bringen: ich bin mir ein bisschen überflüssig vorgekommen. Einige Stimmen mögen dazu jetzt laut werden um zu sagen, dass Zeit die man sich nimmt nur um für diese heimatlosen Jugendlichen da zu sein, niemals 'unvorteilhaft investierte' Zeit sein kann. Und diese Stimmen mögen natürlich auch Recht haben. Aber wie ich schon in einem meiner vorhergehenden Blogeinträge erwähnt habe, so hatte ich eben besonders in der class das Gefühl, den Burschen etwas vermitteln zu können, zu ihnen einen gewissen Draht aufzubauen. Die class bildete quasi meinen Hauptanteil zur Resozialisierung der Jugendlichen, nicht nur wiel ich ein wenig die englische Sprache vermitteln konnte, sondern weil ich in diesem Rahmen auch am meisten zu ihnen durchgedrungen bin meiner Meinung nach. Bei einer Hand voll Burschen war die class nicht mehr nötig um zu ihnen durchzudringen, bei einigen Anderen hätte ich aber wohl einfach noch ein bisschen mehr Zeit benötigt. Meine Zeit hier in dem Camp kam mir generell ziemlich kurzlebig vor. Ich befinde mich eigentlich erst in der Phase, in der man gerade erst alle Namen gelernt und das erste etwas verhaltene Herantasten langsam abgelegt hat, und beginnt, eine Art Alltag zu erleben. Aber ich gestehe auch nicht gerade besonders dicke Tränen über das Ende des Camps zu weinen. Auch wenn mir eine Hand voll Burschen hier irgendwie schon ans Herz gewachsen ist, so freue ich mich trotzdem überwiegend auf das nächste Camp; unter Anderem aus dem Grund, weil ich bei diesem auf keine eingeschworene Gruppe treffen werde, sondern auf einen Haufen Burschen der sich in dem entlegenenen Terrain von Vimukti anfänglich ähnlich unsicher fühlen wird wie ich mich damals gefühlt habe. Und bei diesem Eingewöhnungsprozess bin ich voller Optimismus, als unterstützende Kraft für die Jugendlichen sich an die neue, ungewohnte Situation schneller einzugewöhnen, sobald das neue Camp dann beginnt, zu einem besseren Start finden zu können als mit den Burschen von dem noch aktuellen Camp damals - das übrigens erst am Dienstag endgültig zu Ende ist. Dennoch wohl unabkömmlich ist, dass zu all diesen rosarot klingenden, wenn nicht sogar idealistischen Gedankenzügen bezüglich der schon bald anbrechenden Zeit im neuen Camp, eine gewisse Portion Realismus miteinfließen sollte. Es kann nämlich ohne Weiteres sein, dass sich beim neuen Camp wieder etwas schwerer zugängliche Burschen befinden werden, die mir dann meine Zeit auch mit mehr Kampf versehen. Die positive Richtung die sich für meine kommende Zeit in Vimukti abzuzeichnen scheint, kann es trotz allen neu gewonnenen Vorteilen also durchaus noch in eine etwas trübere, konfliktreichere Richtung verschlagen. Aber ich setze jetzt mal einen Schritt vor den anderen. Mehr als auf mich zukommen lassen werde ich die neuerworbene Situation ohnehin nicht können. Ich versuche trotz allen potentiellen 'Worst Case' - Szenarien, die sich unweigerlich von Zeit zu Zeit in meinem Kopf ausmalen, meinen Blick der entgegenkommenenden Zeit gegenüber optimistisch zu wahren. Mir in die Karten spielt hierbei zudem, dass das durchschnittliche Alter der Neuzugänge nach Vimukti sich um einiges geringer halten wird als das bei dem noch aktuellen Camp. Der Leiter von Vimukti meinte zudem, dass bei den Jugendlichen die neu dazukommen diesmal weniger schwierigere Fälle dabei sein werden. Von solchen Worten fühlt man sich natürlich erleichtert. Aber wie es dann auch kommen mag, für die nächste Zeit konzentriere ich mich mal voll und ganz auf meine neue Situation im Boys Shelter. Wie schon letzte Woche davon erzählt, werde ich die Zeit (welche sich nun doch über einen mir unbekannten Rahmen strecken wird), bis das neue Camp in Vimukti anfängt, im Boys Shelter verbringen, um die neuen Burschen die nach Vimukti kommen werden, kennen zu lernen.

Nun möchte ich noch ein bisschen auf die bereits erwähnte lange Woche eingehen. Beim Cricket habe ich die Woche, meiner Meinung nach, erstmalig begonnen zunehmend Fortschritte zu machen. Nachdem ich mich als sogenannter 'Catcher' auf einer bestimmten Position als recht fangsicher behauptet habe, durfte ich jetzt die ganze Woche als dieser, auf dieser spielen. Den Ball werfen durfte ich aber, trotz Wurftrainings mit Bullok und Konrad, im Match noch immer nicht. Aber zumindest das sogenannte 'Batting', also das Schlagen des Balles mit dem 'Cricket Bat' durfte ich von Zeit zu Zeit. Was die Cricket Regeln betrifft, so kann ich, bei eventueller Nachfrage, nach wie vor mit nur sehr vagen Erklärungen dienen. Aber zum Glück kann man aus der Situation des 'Catchers', die ich zu 99% der Zeit in einem Cricket Match inne hatte, auch nicht viel falsch machen. Als interessanter Zwischenfall entpuppte sich in einem Match Donnerstag Abend, dass direkt vor den Toren Vimuktis ein Hahnenkampf stattfand. Warum ausgerechnet direkt vor den Toren Vimuktis sollte mir ein Rätsel bleiben. Die Männer haben sich sehr dicht um die Hähne herumgestellt und den Kreis, während der Kämpfe, immer enger geschlossen. Um die Hähne zusätzlich wild zu machen, wird ihnen kurz zuvor noch leicht in den Fuß geschnitten. Die Spuren des Kampfes waren noch Stunden danach deutlich zu sehen - überall lagen Federn. Am nächsten Tag folgte wieder ein Hahnenkampf. Fotos dazu werde ich, sobald ich dazu Zeit habe, auch auf den Blog stellen. Und wenn wir schon beim Thema Tiere sind: Dienstag und Donnerstag Abend gab es Froschschenkel als Abendessen. Das war auch mal eine Erfahrung der anderen Sorte, unter Anderem weil man ein paar Stunden zuvor die Burschen noch beobachten konnte, wie sie mit den Fröschen 'gespielt' haben. Und wenn ich 'spielen' sage, dann meine ich, was in unserer westlichen Welt eher als quälen bezeichnet werden würde. Die Burschen haben die Frösche auch eigenhändig getötet und zubereitet. Bis auf den Tötungsvorgang habe ich auch hiervon reichlich Fotos geschossen. Brutal finde ich auch die Geschichte von einem Hund, der vor ein paar Wochen, also noch bevor ich in Vimukti war, ein Huhn gerissen hatte und daraufhin von einem der Burschen auf einem Baum aufgehängt wurde. Quasi wie im Mittelalter Diebe und Verbrecher bestraft wurden. Leidenschaftliche Tierfreunde würden es in Vimukti sicher auf ihre Grenzen des Ertragbaren stoßen. Aber wer weiß, vielleicht wird mit den neuen Jugendlichen die Stimmung in Vimukti allgemein ein wenig 'tierfreundlicher'. Abschließend möchte ich noch ein paar Worte zum Abschlußtag Samstag verlieren. Ausgerechnet an diesem Tag sollte ich das erste Mal mit wirklich schwereren Magenbeschwerden, gefolgt von einem zwischenzeitlichen Fieber- und Schwindelanfall, das Bett hüten müssen. Zumindest am Abend habe ich mich dann, zumindest für eine kurze Zeit, mal aus dem Zimmer gewagt um das riesige Lagerfeuer vom Balkon aus zu bewundern. Dem später folgenden Abendessen und dem nachfolgenden Getanze habe ich sogar länger beiwohnen können, als wahrscheinliche Folge der zuvor konsumierten Tabletten. Heute geht es mir körperlich eigentlich ganz gut soweit, was aber wohl auch eher auf die vor ein paar Stunden eingenommenen Tabletten zurückzuführen ist.

Soweit zu meiner verlängerten Woche in Vimukti. Ich bin jetzt schon sehr gespannt auf die kommende Woche im Boys Shelter von der ich kommenden Sonntag wieder berichten werde. Ich hoffe euch in der Heimat geht es allen gut, vermisse euch schon sehr.
Liebe Grüße aus Indien

Konstantin

Ps: Mein Vater meinte ich sollte am Ende meiner Blog - Einträge nun künftig immer meine E - Mail Adresse anführen, da das direkte kommentieren zu den Blogs scheinbar nur bei angemeldeten Blogspot Usern möglich ist, hier also meine E - Mail Adresse:
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Samstag, 1. Oktober 2011

Über zwiespältige Schönheit und meine erste selbst geöffnete Kokosnuss


Ein Monat Indien. Ich blicke zurück auf ein uneingrenzbares Ausmaß von Eindrücken; stelle aber gleichzeitig fest, dass tatsächlich noch 11 weitere intensive Monate voller Eindrücke auf mich warten. Eigentlich kann ich mir das gerade kaum vorstellen. 11 Monate. Dabei habe ich schon so viel erlebt. Aber wer weiß was in diesen 11 Monate noch so auf mich zukommen wird.

Diese Woche war jedenfalls auch wieder reich an Eindrücken und Erlebnissen. Ich versuche wieder in einem halbwegs überschaubaren Rahmen (haha wers glaubt :P) diese mit euch zu teilen.

Oh Vimukti, du Königreich von Schabe und Fledermaus, von Mosquito und Riesenspinne; du Heimat einer nicht auflistbaren Artenvielfalt von Pflanze und Tier. Wie zwiespältig und wunderbar grotesk ist deine Schönheit.
Wenn ich über Vimukti anfange zu schreiben, überkommt mich immer ein gewisser  Hang  die Dinge mit einer vielleicht gar etwas ausschweifenden Bemalung zu beschreiben, einfach weil die ganze Umgebung hier die reinste Poesie ist. Zumeist kommt allerdings auch wieder dieses Gefühl in mir hoch, welches mich auf den Boden der Tatsachen zurückholt und mich wieder meiner nicht immer einfachen Situation hier erinnern lässt, und damit auch die eine oder andere Schattenseite, welche ohne Frage ebenso gegeben sind, für mich  aufdeckt. Aber wie auch immer, die Natur ist jedenfalls meiner Meinung nach ganz klar das überwiegend Schönste an Vimukti -mit der Ausnahme man befindet sich gerade in seinem Zimmer und ist, so wie immer, in der Unterzahl eines nie enden wollenden, verbissenen Kampfes gegen Schaben, Mosquitos und co., mit nur dem einen oder anderen Gecko als Rückendeckung-.
Zwiespältig und eigentlich auch grotesk sind wahrlich zwei passende Adjektive zur Beschreibung meiner eigentlich doch sehr schönen Zeit hier. Das sollte ein wenig erklärt werden. Zunächst mal, es ist ohne Frage wirklich eine super Zeit die ich hier erleben darf, die Schönheit Vimuktis offenbart sich mir in den verschiedensten Facetten, auch wenn sich diese Offenbarungen in, ich würde sagen, eher unregelmäßigeren Zeitabschnitten entfalten. Denn, gewiss, nicht nur Schönes offenbart sich mir hier. Auch viel Kampf und Unangenehmes. Bevor ich mich mit dem Punkt 'Kampf' wieder vermehrt auseinandersetze, möchte ich noch kurz auf das Stichwort 'Unangenehmes' eingehen. Als unangenehm würde ich zum Beispiel die Situation letzte Woche in Vimukti beschreiben, als Konrad und ich plötzlich kein Trinkwasser mehr hatten. Kishuan, ein Campleiter, meinte zwar er würde uns für die angehende Woche am Montag einen großen Tank Trinkwasser aus dem Dorf besorgen -damit wir nicht mehr jede Woche 8 Liter Wasserflaschen zwischen Vijayawada und Vimukti hin und her schleppen müssen-, doch, da wir wussten dass man auf das was Inder sagen nicht immer 100% Wert legen sollte, haben wir uns aus Vorsicht trotzdem eine Wasserflasche mitgenommen. Nun, diese war jedoch, trotz allen Einsparungen als Folge der erwartenden Warterei auf das Wasser, Dienstagabend zu Ende, und wir hatten noch immer nicht den versprochenen Tank Trinkwasser erhalten. Am Mittwoch hatten wir dann also kein Trinkwasser mehr, doch als wir schließlich genügend Druck ausgeübt hatten, bekamen wir so gegen Abend endlich das versprochene Wasser. Aber wenn wir schon beim Thema Betriebsleistungen sind: Letzte Woche habe ich erzählt, dass das Kohlekraftwerk streikt und daher immer unregelmäßiger Strom zur Verfügung steht. Mittlerweile ist es allein in Vijayawada so, dass etwa 5 -6 Stunden am Tag kein Strom mehr zur Verfügung steht. 5 - 6 Stunden am Tag kein Strom sind aber schon richtiger Luxus im Vergleich zu Vimukti, wo mittlerweile den ganzen Tag lang kein Strom mehr vorhanden ist. Besonders an sehr heißen Tagen macht sich die Absenz des Stroms bemerkbar, da man an jenen dringend einen Ventilator benötigen würde. Was ich hierbei aber nicht verstehe, ist wie die Inder dann mit ihrem ohnehin schon so maroden Stromnetz umgehen, sobald sie wieder Strom haben. Donnerstagabend zum Beispiel wurde die Soundanlage auf Maximum aufgedreht, deren Dröhnen war auf der gesamten Anlage zu spüren. Eine halbe Stunde später war der Strom wieder ausgefallen, und diesmal aber für die ganze Nacht. Das Stromnetz hatte die übertriebene Leistung einfach nicht mehr verkraftet. Ich war nicht besonders verwundert darüber. Jedoch war ich dann, obwohl es in der Nacht wieder ziemlich heiß wurde und ich dringend einen Ventilator benötigt hätte, doch ziemlich froh darüber, dass der Strom weg war. Es ergab sich daraus nämlich ein sehr netter Abend. Im Taschenlampenlicht wurde UNO und Schach gespielt, es wurde zum Zeitvertreib gesungen und getrommelt und am Dach haben wir uns in völliger Finsternis die Sterne angeschaut. Ich habe noch nie ein so klares und so strahlendes Sternenbild gesehen wie an jenem Abend in Vimukti. Das war einfach wunderschön. Die Burschen haben dann ihre Matratzen aufs Dach geschleppt und am Dach geschlafen. Ein weiterer positiver Effekt war, dass ich in Ruhe einschlafen konnte, was sonst aufgrund der dröhnenden Anlage wohl nicht möglich gewesen wäre.
Nun ja, soviel jedenfalls zu meiner Situation mit Strom und Wasser diese Woche in Vimukti, nun möchte ich mich dem Thema 'Kampf' zuwenden. 'Kampf' beziehe ich eher auf die Art von Kampf bei den Jugendlichen mehr und mehr anzukommen. Denn das ist, wie auch schon vorhergehenden Blogs zu entnehmen ist, wirklich nicht immer leicht. Jede Woche mache ich in diesem 'Kampf' neue Erfahrungen. Was sich mir diese Woche zum Beispiel offenbart hat, ist, dass die Jugendlichen sehr darauf achten --zumindest habe ich diesen Eindruck- ob du etwas 'drauf hast' oder nicht. Wenn ich zum Beispiel in Cricket irgendeinen Fehler mache -was einfach ein Resultat dessen ist, dass mir hier niemand die Regeln gescheit erklären kann und ich mir daher den Großteil einfach selbst zusammenreime-, dann muss darüber natürlich gleich einmal lautstark gelacht werden. Und selbst dann wird einem nicht mal gesagt was man überhaupt falsch gemacht hat. Ich denke das hängt auch damit zusammen, dass sich die Burschen in ihrem Gebiet, in diesem Fall jetzt Cricket, dem Fremden einfach überlegen fühlen wollen. Sportsgeist wie wir es kennen gibt es eigentlich nicht, hier musst du einfach selbst daraus lernen und obwohl du dich darüber ärgerst immer wieder mitmachen wenn wieder Cricket gespielt wird (was eigentlich eh jeden Tag der Fall ist), bis du es schließlich raus hast. Selbiges übrigens auch beim Schach, was neben Cricket zu dem absolut beliebtesten Zeitvertreib in Vimukti gehört; und nachdem es die Burschen rund um die Uhr spielen, sind sie auch dementsprechend gut darin. Ich bin absolut kein begnadeter Schachspieler; durch dumme Anfängerfehler die ich bei den ersten Spielen gemacht habe, wurde ich schnell zum beliebtesten 'Opfer', quasi zum fixen Bestandteil der Unterhaltung die durch dieses Spiel erzielt werden sollte. Trotzdem habe ich Schach wie auch Cricket immer wieder mit den Burschen gespielt, bis ich endlich meinen ersten Sieg in Schach errungen hatte, beziehungsweise auch in Cricket begonnen habe langsam aber sicher meine Fehlerquote zu senken. Mein größtes Erfolgserlebnis war aber bisher mit den Burschen Fußball zu spielen, hierbei konnten Konrad und ich zur Abwechslung mal den Spieß umdrehen und diejenigen sein die vorführen. Mehr als einmal Fußball spielen war bisher allerdings leider nicht drin. Die Inder spielen nicht gerne Spiele in denen sie nicht gut sind, obwohl ich den Eindruck hatte, dass es ihnen eigentlich doch recht Spaß gemacht hat. So ähnlich verhält es sich übrigens auch mit Volleyball, obwohl sie das meiner Meinung nach eindeutig besser können. Das ist es jedenfalls was ich mit zwiespältiger Schönheit meinte. Die Schattenseite meiner Zeit hier in Vimukti sind überwiegend die Rückschläge, die ich bisher bei den Versuchen an die Jugendlichen heranzukommen erlitten habe. Und obwohl mir genau das, also das an sie herankommen, langsam aber sicher immer besser zu gelingen vermag, bin ich irgendwie froh darüber, dass das Camp nächste Woche endet (ich weiß letztes Wochenende meinte ich, dass die kommende Woche die letzte Woche sei, aber da sieht man wieder wie chaotisch Inder sind, die viele Dinge einfach im letzten Moment umentscheiden). Kommenden Mittwoch gibt es noch als endgültigen Abschluß eine Abschiedsfeier und ab übernächste Woche bin ich dann für 10 Tage im Boys Shelter, um die neuen Jugendlichen die nach Vimuki kommen kennen zu lernen. Auf diese 10 Tage bin ich schon echt gespannt, generell auf die neuen Burschen. Ich blicke dem neuen Camp jedenfalls optimistisch entgegen. Ich habe im alten Camp noch einige, wichtige Erfahrungen im Bereich der Jugendbetreuung sammeln dürfen und denke, dass ich in Berücksichtigung dieser, im neuen Camp einiges besser machen werde. Da das aktuelle Camp sich dem Ende neigt, waren wir am Freitag alle gemeinsam auch im Kino. Wir haben uns einen Film angeschaut, über den hier überall, egal ob in der Stadt oder auf dem Land, wie verrückt Werbung gemacht wird. Auf allen Straßenecken lacht dich der Hauptdarsteller des Films an. Die Inder im Kinosaal sind beim erstmaligen Erscheinen des Typen auf der Leinwand völlig ausgeflippt, haben geschrien und gejubelt wie verrückt. Obwohl ich nicht viel verstanden habe was die in dem Film geredet haben, so habe ich dennoch nicht sehr lange gebraucht um festzustellen, was für ein Schrott der Film ist.
Ein billiger Abklatsch einer potentiellen James Bond Handlung. Der natürlich unheimlich gut aussehende Protagonist kämpft die meiste Zeit des Films gegen eine nicht enden wollende Anzahl von schwer bewaffneten, bösen Gestalten, weicht auf möglichst coole Art und Weise all ihren Schüssen aus und macht sie mit einem Kapoera ähnlichen Kampfstil auf ziemlich brutale Art und Weise fertig; und was natürlich auch nicht fehlen darf ist die attraktive Frau, deren Herz er mit seinem unwiderstehlichen Charme gewinnt. Ein wenig irretierend fand ich es, dass selbst, beziehungsweise vorallem das männliche Publikum im Kinosaal begonnen hat zu schreien wenn er gerade getanzt oder gesungen hat, was in einem indischen Film natürlich auch nicht fehlen darf. Bewundernswert fand ich es, wie es die Macher des Films tatsächlich bewerkstelligt haben, die Handlung in 3 Stunden Vorführung zu verpacken. Aber das haben hier irgendwie alle Filme gemeinsam - Überlänge. Die Inder wollen halt möglichst lange unterhalten werden für ihr Geld.

Erwähnenswert scheint mir übrigens auch, dass ich diese Woche meine erste Kokosnuss, mit einem sensenähnlichen Messer, selbst geöffnet habe. Zwar mir Müh und Not und am Ende hat die Kokosnuss auch ziemlich entstellt ausgesehen, aber das Kokosnusswasser hat trotzdem sehr gut geschmeckt! In den nächsten Wochen möchte ich lernen auf eine Palme zu klettern und mir selbst eine zu holen; das ist übrigens auch gar nicht so leicht, da die Palmen hier doch teilweise ziemlich hoch sind. Achja und meine erste Mango habe ich auch bereits schon gegessen, sie war zwar noch nicht ganz reif, aber dennoch schon sehr gut! Das Sammeln von Früchten und das Ernten von den eigens angelegten Gemüsefeldern ist übrigens ein wesentlicher Bestandteil des Tagesplanes der Burschen hier.

Abschließend möchte ich noch kurz ein paar Worte zu dem Thema Kommunikation loswerden. Der meiner Meinung nach anstrengendste Faktor der Kommunikation mit den Indern ist, dass die meisten einfach nicht durchscheinen lassen wollen, dass sie, aufgrund ihrer mangelnden Englischkenntnisse, manchmal einfach überhaupt keinen Plan davon haben wovon du redest. Trotzdem wollen sie aber, dass du zumindest den Eindruck hast, nach dem Gespräch mit einer hilfreichen Auskunft deines Weges zu ziehen. Sprich, sie sagen oft einfach irgendwas, hauptsache du verlässt das Gespräch mit einem dankbaren Lächeln. Besonders mühsam erweist sich das bei Wegbeschreibungen. Wenn ich zum Beispiel einen Inder so etwas frage wie 'Do I have to go this way to the supermarket?' so folgt meistens eine enthusiastisch zustimmende Geste. Auch wenn du daraufhin in die komplett falsche Richtung gelangst. Als ebenfalls sehr mühsam erweist es sich manchmal, dass die Inder einem das Glück geradezu aufdrücken wollen. Letzte Woche zum Beispiel hat Konrad und mich während einer Rikschafahrt der Fahrer gefragt, ob wir bei Navajeevan arbeiten; nachdem wir diese Frage bejaht haben, war der Fahrer sehr epicht darauf uns zur Navajeevan Zentrale zu bringen, obwohl wir eigentlich in unsere Flat wollten, die in der Nähe von der Zentrale liegt. Wir sind schon neben unserer Flat gewesen mit der Rikscha, und obwohl Konrad und ich ihm 1000 Mal gesagt haben er soll endlich stehen bleiben, ist er einfach weitergefahren zur Zentrale. Er dachte sich wohl, dass wir schlichtweg nicht wollen, dass er uns weiter bringt als bis zum ausgemachten Ort, obwohl wir ja eigentlich noch weiter zur Zentrale gehen müssten. Als wir endlich ausgestiegen waren, hat er uns sehr verwundert nachgeschaut als wir in die umgekehrte Richtung gegangen sind.

Eigentlich habe ich den Abschluß meines Eintrags, mit Erzählungen von dem manchmal etwas mühsamen kommunikativen Umgang mit den Indern bereits eingeläutet, jedoch ist mir gerade noch ein letzter Punkt eingefallen, den ich noch erwähnenswert finde. Eigentlich dachte ich, dass nach dem Ganesh Festival, welches etwa Mitte September zu Ende war, mal Pause von den Festlichkeiten herrschen würde. Doch da hatte ich wohl falsch gedacht. Nur ein paar Tage später schon wurde sehr ausgiebig der Parteitag der Kommunisten gefeiert. Ich wusste davor nicht, dass die Kommunisten einen derartigen Einfluss in Indien haben, aber an jeder Straßenecke war das Zeichen mit dem Hammer und der Sichel zu sehen. Egal ob in der Stadt oder auf dem Land, überall war es festlich geschmückt mit kommunistischen Flaggen, Bildern, Lampions, usw. An einem anderen Tag wurde ein bestimmter Politiker wie wild gefeiert, den sie alle nur 'Power Star' nannten. Auch die Kinder wussten alle wer dieser 'Power Star' sei und haben alle bis über beide Ohren gestrahlt als ich seinen Namen genannt habe. Die Inder lieben es politisch engagiert zu sein und darüber zu reden. Das habe ich speziell bei dem Kommunisten Parteitag und der Feier für diesen 'Power Star' festgestellt.

Nun, mal wieder habe ich einen 'halbwegs überschaubaren Rahmen' bezüglich meiner Erzählungen nicht ganz einhalten können. Ich hoffe trotzdem, dass ich euch wieder halbwegs erfolgreich meine Eindrücke und Erlebnisse vermitteln konnte.

Noch einen schönen Sonntag aus Indien wünscht euch

Konsti

Sonntag, 25. September 2011

Die Sache mit der Zeit


Jetzt ist es schon bald ein Monat seit meiner Ankunft hier in Indien. Und einerseits bin ich
auch wirklich überrascht von dem Gedanken, tatsächlich schon fast ein Monat in Indien zu sein. Aber dann gibt es auch wieder so die Tage, an denen man auf den Kalender schaut und einfach nicht glauben kann, dass es tatsächlich noch so und so viele Tage bis zur Abreise zurück nach Österreich sind.
Das mit der Zeit ist eine komische Sache. Deren persönliche Einschätzung hängt nun mal zum Teil, wenn nicht sogar gänzlich, davon ab, wie man seine Zeit erlebt. Und meine Zeit hier erlebe ich ohne Zweifel als die intensivste, bereicherndste aber auch gleichzeitig als die fordernste Zeit meines Lebens. Und das sage ich mit vollem Bewusstsein 3 Monate nach der Matura -in der ich zwar ohne Frage Ängste auszustehen hatte-, die aber trotzdem kein vergleichbares Erlebnis mit meiner Zeit hier ist.
Derzeit erlebe ich hier jedenfalls, wie man schon meiner Einschätzung der Zeit gegenüber bereits abnehmen konnte, ein ständiges Auf und Ab in dem Versuch mich hier einzubringen. Ich glaube, was mir einfach sehr zu schaffen macht, ist das Gefühl dabei ständig hinterher zu hinken. Und einige Jugendliche hier in Vimukti machen es mir, ehrlich gesagt, dazu auch nicht besonders leicht teilweise. Ich will auf diesem Punkt jetzt nicht länger herumreiten, ich stelle nur fest, dass ich nach wie vor so ein bisschen in der Luft schwebe und die Burschen aber scheinbar nicht verstehen, dass für mich das Ganze einfach extrem ungewohnt ist. Teilweise habe ich das Gefühl, sie denken ich sei eine Art Elite Auslands - Sozialhelfer, der bereits mehrere Jahre Erfahrung in Krisengebieten gemacht hat und der für diese Art von Situation speziell geschult und trainiert worden sein muss. Deshalb verstehen sie auch nicht, warum ich noch Zeit brauche für diese ganze Situation. Mir erscheint trotzdem auch wichtig zu erwähnen, dass ich mich jedoch mit Anderen wiederum durchaus immer besser verstehe. Manche, die am Anfang noch ziemlich misstrauisch und eher distanziert waren, gehen jetzt mehr auf mich zu und das macht es mir natürlich schon auch leichter.

Das aktuelle Camp in Vimukti neigt sich jedenfalls langsam seinem Ende zu, nächste Woche endet das Camp. Normaler Weise dauert ein Camp etwa 3 Monate, doch die Jugendlichen sind schon fast 4 Monate hier. Obwohl alle Burschen die jetzt gerade noch im Camp sind, beim nächsten Camp auch wieder teilnehmen könnten wenn sie wollen, werden einige nicht mehr kommen, da sie jetzt nun lieber beginnen wollen zu arbeiten und sich soweit auch rehabilitiert haben. Natürlich werden die Jugendlichen auch nach der Zeit in Vimukti von Navajeevan dabei unterstützt, sich in die Arbeitswelt hineinzuintegrieren. Ich bin jedenfalls schon echt gespannt auf das nächste Camp, zu dem wieder völlig neue Gesichter dazu kommen werden. Für das nächste Camp werden Konrad und ich uns mal gescheit vorbereiten, in dieses hier sind wir ja quasi mittendrin hineingeworfen worden. 10 Tage werden zwischen dem Ende des noch aktuellen Camps und dem Anfang des neuen Camp liegen. Diese 10 Tage sind auch dafür gedacht, mit den Burschen, die aus dem Boys Shelter nach Vimukti kommen, schon ersten Kontakt zu knüpfen. Sobald das Camp dann beginnt, wollen wir mit den Burschen gleich zu Beginn ein paar fixe Regeln im Unterricht ausmachen, da das Unterrichten hier sonst einfach sehr mühsam ist, da sich niemand an irgendeine Ordnung hält. Wenn irgendwer was weiß, dann springt er gleich auf und läuft zur Tafel um mir die Kreide zu entreißen und es hinzuschreiben. Leider bleibt es zudem im Normalfall nicht nur bei einem der aufspringt, meistens springen dann gleich eine ganze Handvoll Schüler auf die sich dann um die Kreide streiten. Trotzdem ist der Unterricht für mich eine Zeit, in der ich das Gefühl habe mich am meisten einbringen zu können. Auch wenn die Motivation die Class zu besuchen bei den Burschen in Vimukti mittlerweile exponentiell am sinken ist -was auch irgendwie verständlich ist nachdem die kommende Woche ihre letzte Woche in Vimukti ist-, so glaube ich trotzdem, über den Unterricht zu dem einen oder anderen so halbwegs durchgedrungen zu sein.

Interessantes politisches Detail am Rande: Der Bundesstaat, oder wie die Inder sagen, der Unionsstaat, in dem ich mich befinde -also Andhra Pradesh-, plant sich in 2 Unionsstaaten aufzuspalten. Diese Idee dürfte, sollte sie denn tatsächlich umgesetzt werden, einen gewissen Nachteil für die Betreiber des Kohlekraftwerks in Vijayawada darstellen. Welcher Nachteil das jetzt genau ist, habe ich in 3 Gesprächen (!!) mit Indern bereits versucht zu ergründen, jedoch war ich nach jedem Gespräch genauso schlau wie vorher. Die indische Art Englisch zu reden ist einfach eine einzige Katastrophe; so wie die Inder die Wörter dahernuscheln müsste man schon nach jedem 2. Wort 'Please what!?' sagen um sich halbwegs einen Kontext aus dem Gesagten reimen zu können, und das wäre jedoch wiederum unhöflich. Ich glaube über die indische Art Englisch zu reden könnte ich mal einen eigenen Blogeintrag schreiben. Folge dessen ist jedenfalls, dass die Betreiber des Kohlekraftwerks jetzt jeden Tag zwischen 11 und 13 Uhr das ohnehin schon so marode Stromnetz abschalten, was nun offensichtlich zu noch mehr Wackelkontakten, also zu noch häufigeren Stromausfällen am Tag als ohnehin bereits führt.
Aber irgendwie gewöhnt man sich auch an die ständigen Stromausfälle. Natürlich ist es ärgerlich, wenn man gerade im Internet ist oder froh ist bei der unaushaltbaren Hitze endlich unter einem Ventilator zu stehen und plötzlich alles still gelegt ist. Doch wenn das dann zum ständigen Teil des Alltags wird, ärgert man sich irgendwann nicht mehr darüber sondern akzeptiert seine Situation einfach.

Was ich noch abschließend als erwähnenswert empfinde, ist übrigens die erstaunlich facettenreiche Vielfalt an Bekanntschaften die ich hier schließe. Hervorstechend unter vielen Bekanntschaften, finde ich unter anderem die Bekanntschaft zu dem Letten Andrei, der seit ca 2 Jahren in Indien lebt und sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser hält. Schlafen tut er dort wo es sich gerade so ergibt. Da er auch schon bei einigen Projekten der Salesianer Don Bosco mitgeholfen hat, kennt er auch einige Salesianer - schläft und isst daher oft einfach in Don Bosco Einrichtungen. Ich finde den Typen faszinierend weil man ihm einfach eine absolute innere Zufriedenheit mit seinem Leben ansieht, obwohl er jetzt keine direkte Ausbildung oder sonst etwas in der Hand hat. Aber er meint einfach er sehe nicht ein, sich dem Turbo Kapitalismus unserer Zeit, als eine Arbeiterdrohne von vielen hinzugeben. Andrei reist durch das Land auf der Suche nach sich selbst, wie er sagt. Von ihm habe ich auch den Tipp für einen Meditationskurs bekommen, der in Hyderabad, von hier etwa 8 Stunden mit dem Zug entfernt, stattfindet. Dieser Kurs ist überkonfessionell, gratis -man kann eine Spende geben wenn man will- und dazu gibt es dort umsonst Essen - natürlich nur ganz einfache Kost. Der Kurs dauert 10 Tage lang und besteht aus Praktizierungen verschiedener Atemübungen und Übungen die dazu dienen sich und seinen Körper in Einklang zu bringen, sich tiefer zu ergründen und kennen zu lernen. Ich habe solche Meditationsübungen eigentlich schon immer sehr interessant gefunden und habe mich spontan dazu entschlossen, das auch auszuprobieren. Ein Grund für meine Entscheidung war auch, dass ich aus meiner Zeit hier einfach das Maximum rausholen will, und dazu gehört auch solche einzigartige, vielleicht etwas unkonventionelle Erfahrungen zu machen. In eine fremde Stadt zu reisen und 10 Tage lang wie ein Asket zu leben... das wird sicher sehr interessant und ich freue mich schon echt darauf.

Aufregende Geschichten habe ich von dieser Woche leider nicht wirklich zu bieten, aber ich bin schon gespannt was diese Woche so alles passieren wird. Somit verabschiede ich mich mal fürs erste, auch wenn ich heute wie auch morgen via Skype oder Facebook oder Mail noch zu erreichen sein werde! (Fahre erst am Dienstag wieder ins Projekt, da morgen eine Volontärin Geburtstag hat, sie ein Special für ihre Kinder geplant hat und wir ihr dabei helfen müssen)

Liebe Grüße aus Indien

Sonntag, 18. September 2011

Das erste Mal Unterrichten!

Jede Woche dasselbe Dilemma. Ich sitze vor dem Computer und überlege womit ich denn nur anfangen soll. So eine leichte Entscheidung ist das auch wahrlich nicht, bei so vielen Erlebnissen. Aber ich sammle mich und fange einfach bei letztem Montag an. Meine erste Woche in meinem Projekt. Vimukti.

Die beste Voraussetzung für die Woche war nun wirklich nicht geschaffen - Konrad, der Volontär aus Deutschland mit dem ich zusammen in dem Projekt bin, war krank. Das hieß für mich im Klartext, am Montag in der Früh alleine ins entlegene Vimukti zu fahren und auch die ersten Unterrichtseinheiten ganz alleine zu gestalten, bis Konrad halt wieder auf den Beinen ist.
Besonders nervös hat mich dieser Gedanke vorallem deshalb gemacht, weil es in Vimukti nicht, wie anfänglich von mir fälschlicher Weise gedacht, nur 12 - 15 Jährige gibt, sondern Jugendliche in den verschiedensten Altersgruppen. So wie es 12 Jährige gibt, so gibt es genauso auch 20 bzw 21 Jährige. Und irgendwie ist es schon eine merkwürdige Sache, wenn ein 19 Jähriger 20 bzw 21 Jährige unterrichtet. Um 11 Uhr, also ca. 2 - 3 Stunden später kam ich jedenfalls endlich an. Bei der Hinfahrt als, dezent ausgedrückt, 'etwas mühsam' erwies sich einerseits die herunterknallende Sonne, als auch die Tatsache, dass ich, nach einer 1 1/2 stundenlangen Busfahrt, in einem Dorf in der Nähe von Vimukti, etwa 20 Minuten vollgepackt darauf wartete dass mich jemand von der Projektleitung im Niemandsland abholen würde, was natürlich ausblieb und mir nur die einzige Möglichkeit ließ, selbst Initiative zu ergreifen. Eine Rikscha die mich ins ziemlich entlegene Vimukti brachte, war zum Glück schnell gefunden, nicht so schnell jedoch Einigung bezüglich des Tarifs für die Fahrt erzielt. Inder verlangen nämlich, und das bei Dienstleistungen
ganz prinzipiell, von uns 'Westlern' immer das drei- oder vierfache des normalen Preises, weil wir ja schließlich alle und zwar ausnahmslos im Geld schwimmen! Nach 5 Minuten Feilschen war schlußendlich doch Einigung erzielt und ich gelangte, etwa eine halbe Stunde später, im hintersten Teil der Rikscha mit meinem ganzen Gepäck quer liegend -da die Rikscha sonst rammelvoll war- endlich in Vimukti an.

Als ich schließlich in Vimukti ankam, erfuhr ich, dass ich meine erste Unterrichtsstunde erst am Dienstag haben sollte, da die Class normalerweise um 10 Uhr ist und sich das mit der Hinreise am Montag immer überschneidet. Ein Stein fiel mir vom Herzen. Gleichzeitig dachte ich mir aber auch, dass ich meine erste Unterrichtsstunde eigentlich schon sehr gerne bereits hinter mich gebracht hätte. Somit sollte die größte Anspannung also bis Dienstag um 10 Uhr erhalten bleiben. Der restliche Montag diente mal zur Absprache von Organisatorischem mit der etwas chaotischen Projektleitung. Unter anderem erhielt ich auch mein Zimmer. Eigentlich gefällt es mir sehr gut, man sollte nur nach Möglichkeit keine Phobie vor Insekten haben. Bei erstmaliger Betrachtung meines Zimmers wirkte es so als würde es sich an allen Ecken und Enden bewegen: kleine, große, dicke, dünne Spinnen, Käfer, Heuschrecken usw. Von den 3 Ameisenstraßen mal ganz abgesehen. Einfach alles was das Herz so begehrt. Einzig erfreuliche Zimmerkollegen sind 2 Eidechsen und ein Gecko, die nämlich die ganzen Fliegen fressen. Achja, und eine Maus hat sich bei mir in meiner Schublade eingenistet. Ich lasse sie einstweilen da wohnen, noch brauche ich die Schublade ja nicht; außerdem ist mir eine Maus ungefähr 1000 Mal lieber als eine Ratte, von denen es hier leider auch genug gibt. Jedenfalls bin ich nicht besonders verwundert über das vielen Leben hier. Gelangt man hinauf zum Dach des Gebäudes, so kann man seinen Blick über eine weite, grüne, von Wäldern besäumte Fläche schweifen lassen. Das Anwesen hier ist wahrlich ein einziger Blickfang. Speziell in der Abendröte, wenn die Sonne allmählich hinter den gar nicht mal so weit entfernt scheinenden Bergen versinkt und die gesamte Landschaft in ein mattes, beruhigendes Rot taucht, nur noch das Zirpen der Grillen und das gleichmäßige, ruhige Summen der Libellen zu vernehmen ist beziehungsweise der warme, fremde Duft bisher gänzlich unbekannter Pflanzen und Kräuter in die Nase steigt. Das sind so die Situationen, in denen sich ein einziger Moment eine eigene Form von Zeit aneignet und in denen ein gedankenverlorener Blick in die unendliche Ästhetik der Natur auszureichen scheint um von der Spiritualität des umgebenden Lebens das Herz geöffnet zu bekommen. Aber setzt man hier der Situation Worte gegenüber so erscheinen sie so trivial; wer kann schon Gefühlen Formen verleihen. Sowas kann man nicht beschreiben, man kann es nur selbst erleben.

Als ich am Dienstag in der Früh aus dem Bett steige bin ich völlig fertig. Da ich technisch nicht in der Lage war das Mückennetz am Vorabend richtig anzubringen bin ich völlig zerstochen. Außerdem war es unaushaltbar heiß in der Nacht, der Ventilator hat nicht richtig funktioniert und für die Matratze, an der man auch wenn man nicht schwitzt mit der Haut immer kleben bleibt, hatte ich für diese Nacht natürlich noch kein Leintuch bekommen, was durch einen kontinuierlichen Schweißstrom die ganze Nacht über dazu geführt hat, dass ich mir am Ende wie eine Fliege in einem Spinnennetz vorgekommen bin. Nach einem etwas trägen, gähnenden Morgen ist es schließlich endlich 10 Uhr. Ich warte im Klassenzimmer auf dem Lehrertisch sitzend, mit einer gewissen Anspannung im Blick und mit den Armen steif am Tisch aufstützend aber mit einer gespielten Coolness die Beine vom Tisch baumelnd. Schließlich trubeln allmählich die Burschen ein. Etwa um 10 nach 10 kann ich endlich anfangen. 25 Augenpaare starren mich an. Manche neugierig, manche ein wenig skeptisch. Ich lasse mir nicht anmerken dass ich zum ersten Mal in meinem Leben unterrichte, und das indische Jugendliche. Vom Leben gezeichnete, auf der Straße aufgewachsene, von ihren Familien verstoßene
oder davon gelaufene Jugendliche. Vielleicht gibt es auch überhaupt keine Familie. Drogen als Flucht vor der Realität. Manche können nicht ein einziges Wort Englisch, ich dazu kein einziges Wort Telugu. Da tritt man auf der Stelle, das habe ich schon in der ersten Stunde gemerkt. Trotzdem war meine erste Stunde denke ich ein Erfolg. Den Burschen haben die Spiele sehr Spaß gemacht die ich vorbereitet habe. Auch ein bisschen Stoff habe ich durchgenommen, bei dem ich gleich mal gemerkt habe wer halbwegs Englisch sprechen kann und wer nicht. Hierbei finde ich es übrigens sehr entgegenkommend dass ich im Normalfall mit Konrad unterrichten kann; einer kümmert sich einfach um die Schwächeren und der andere um die Stärkeren. Nach meiner ersten Stunde habe ich jedenfalls mal befreiend ausgeatmet. Die Stunde am Mittwoch hat ebenfalls gut geklappt. Auch wenn ich bisher mehr Spiele als Stoff durchgenommen habe. Aber ich finde am Anfang kann man das schon so machen. Am Mittwoch um die Mittagszeit ist dann Konrad aufgetaucht, zwar noch nicht ganz gesund aber er hatte sich doch wieder recht gut erholt hatte ich den Eindruck. Jetzt rückbetrachtend bin ich eigentlich ganz froh darüber, dass ich das Unterrichten zunächst mal alleine gemacht habe. Ich denke, es war eine gute und wichtige Erfahrung, zu Beginn mal ins eiskalte Wasser gestoßen zu werden.

Naja so viel jedenfalls mal zum Unterrichten. Obwohl die erste Woche unterrichtstechnisch gesehen wohl tatsächlich eher ein Erfolg war, so muss ich dennoch eingestehen, nach wie vor mit gewissen Anlaufschwierigkeiten zu kämpfen. Zwar denke ich, dass ich mit ein paar Burschen schon recht gut auskomme, aber ich merke einfach, ich bin noch nicht so recht angekommen. Nicht nur bei den Jugendlichen. Auch noch nicht wirklich bewusst in der Situation in der ich mich hier befinde. Es ist eine Art Orientierungs- bzw Realisierungsprozess den ich gerade durchmache. Dieser äußerst sich unter anderem auch dadurch, dass ich mich bisher eher passiv verhalte. Zwar habe ich das eine oder andere Mal mit den Burschen schon Cricket oder Schach gespielt, dennoch aber war ich bisher eher häufiger in meinem Zimmer um zu lesen oder auf dem Dach um zu beobachten bzw. die Natur zu genießen. Auch ein paar von den Jugendlichen hier verhalten sich mir gegenüber noch eher zurückhaltend und unentschlossen. Das ist auch okay so, es braucht halt alles einfach ein bisschen Zeit. Andere wiederum haben mich gleich vom ersten Tag an akzeptiert, und die helfen mir auch echt mich in Vimukti wohlzufühlen. Trotzdem hätte ich es wohl in einem Kinderprojekt am Anfang mit aller Wahrscheinlichkeit einfacher gehabt. Aber ich hatte mich trotzdem für Vimukti entschieden. Es war eine Bauchentscheidung. Das Leben ist oft von solchen Bauchentscheidungen bestimmt, zumindest bei mir. Oft kann ich sie nicht wirklich erklären. Aber irgendwie fühlt es sich immer richtig an wenn ich eine solche Entscheidung getroffen habe. Auch wenn andere, logisch durchdachtere Entscheidungen, gewiss mehr dazu führen würden, dass ich mich weniger überfordert fühle. Aber in solchen Momenten muss ich auch immer daran denken, was mir ein sehr guter Bekannter in das Büchlein, das mir meine Nichte als Erinnerung an zu Hause geschenkt hat, hineingeschrieben hat: 'Lernen findet nicht dort statt wo es angenehm ist und alles bekannt ist, sondern dort wo es anstrengend, ungewiss und fordernd ist. Wenn du also leidest, wehr dich nicht dagegen, sondern akzeptiere es dankbar als Preis für das persönliche Wachstum.' Ich musste schon viel über diese 2 Sätze nachdenken, und sie helfen mir meine Situation zuversichtlicher zu betrachten. Es hat schon so seinen Grund dass ich durch genau diese Zeit gehen muss. Dazu ist es auch einfach wichtig sich immer wieder vor Augen zu führen, dass man sich wirklich gerade mitten im Plan Gottes befindet. Er wollte mich in Indien, in Vimukti haben. Obwohl ich ja ursprünglich nach Ghana wollte, also wo völlig anders.

Heute ist Sonntag. Morgen fängt der Kampf wieder an. Aber ich freue mich darauf. Das Essen im Navajeevan Zentrum wird nochmal ordentlich genossen bevor es dann wieder zum Essen im Projekt geht, welches, nun ja, sagen wir nicht ganz mithalten kann mit dem Essen hier. Interessant ist aber, dass meine Magenbeschwerden im Prokjekt auf einmal wie verschwunden waren letzte Woche. Aber als ich jetzt für das Wochenende wieder zurück war in Vijayawada, sind sie wieder aufgetaucht. Ein Mysterium. Irgendwas hier dürfte ich nicht so ganz vertragen. Ich bin noch auf der Suche nach der Quelle. Übrigens wohne ich nicht mehr in der alten Volontärs WG. Ich bin in die Flat darüber gezogen, weil 3 neue Volontäre, 2 aus
Deutschland und eine aus Österreich neu dazu gekommen sind. Da für die nicht mehr genügend Platz im unteren Flat waren, bin ich mit ihnen einfach rauf ins andere Flat gezogen. Ich habe mich dazu bereit erklärt, weil ich nicht länger in einem Durchgangs Zimmer schlafen wollte. War jetzt auch keine Riesen Umstellung, da es im oberen Flat auch genauso ausschaut wie im unteren. Achja, noch abschließend bleibt mir zu erwähnen, dass Konrad und ich einen Fußball für Vimukti gekauft haben, da der Ball im Projekt leider kaputt ist. Hoffe wir kommen die Woche das eine oder andere Mal zum kicken, in Cricket wurden wir jetzt schon oft genug von den Indern vorgeführt, jetzt wirds mal Zeit den Spieß umzudrehen.

Naja, mal wieder könnte ich noch etliches weiterschreiben, aber weil ich mal davon ausgehe, dass der Großteil der Leute den Text hier ohnehin einfach überfliegt weil er einfach zu lange ist, mache ich jetzt mal Schluß.
Ich melde mich nächstes Wochenende wieder.

Indische Grüße

Mittwoch, 7. September 2011

Ein paar Eindrücke visualisiert






Kinderdorf Chiguru



Krishna River



Im Boysshelter



Die Volontärs WG








Wieder zurück in Chiguru







Ganesh Festival

Ganesh wird zum Fluß gebracht um ihn dort zu versenken (ist Teil der Zeremonie)




Das ist Vimukti, mein Projekt!




In Konrads Zimmer in Vimukti


Neben meinem Übergangsbett in der Volo WG

Erste Schritte


Eine Woche ist um seit meiner Ankunft in Vijayawada. Es hat ein wenig länger gedauert als erwartet aber ich habe jetzt nun endlich alle Projekte gesehen. Außer den, im letzten Blogeintrag, bereits genannten Projekten, haben wir noch 2 Bridgeschools besucht, die quasi mit unserer Vorschule zu vergleichen sind. Ein Boys Shelter und Vimukti, das Addiction Center für ehemalige Drogen- und Alkoholabhängige Teenager.

Heute musste ich eine Entscheidung treffen in welchem Projekt ich arbeiten will, zumindest die nächsten 3 - 4 Monate. Ich habe ein wenig hin und hertendiert zwischen Chiguru -dem Kinderdorf- und Vimukti -dem Addiction Center-. Schließlich habe ich mich dann doch fix entschlossen in Vimukti zu arbeiten. Warum? Also, einerseits war ein Grund, dass es dort schlichtweg wunderschön ist - Fotos werde ich wahrscheinlich eh heute noch auf den Blog stellen. Zwar dauert die Anreise 1 - 2 Stunden, aber das ist 2 Mal in der Woche schon okay (Hinreise am Montag und Abreise am Freitag).Vimukti liegt echt ziemlich entlegen, aber um so
schöner ist die Natur dort. Es gibt eine große Wiese für Cricket, Volleyball und sogar 2 Tore für Fußball. Generell ist das ganze Areal sehr groß; überall wo man hin schaut Natur... es gibt viiiiele Mangobäume (ich freu mich schon auf die Mangoseason), Kokospalmen und Goha Früchte (weiß jetzt nicht genau ob man die so schreibt) die auch sehr gut sind. Die Teenager (etwa 25 - 30 in der Zahl, also viel zu wenig für das riesige Anwesen) sind alle sehr nett und cool drauf. Ebenfalls ein entscheidender Punkt war, dass ich das Englisch Unterrichten zusammen mit einem anderen Volontär aus Deutschland, Konrad sein Name, machen kann, da es in Vimukti nur ein Klassenzimmer gibt.

Soviel also zu meinem Projekt. Wie es so läuft werde ich wohl erst in ca. 1 1/2 Wochen, also übernächstes Wochenende, berichten können, da es in Vimukti kein Internet gibt und ich ab nächste Woche nur noch am Wochenende in der Volontärs Zentrale von Navajeevan sein werde, sonst immer in Vimukti. Achja was für mich übrigens auch schon ziemlich fix ist, ist dass ich nach Vimukti in Chiguru (dem Kinderdorf) sein werde. Dort war ich nun schon 2 Mal und da hat es mir ebenfalls sehr gut gefallen (was den nachfolgenden Fotos auch zu entnehmen sein wird :P).

Ist also eine sehr spannende Woche gewesen, habe viele Kinder und Jugendliche kennengelernt und eigentlich auch fast nur positive Erfahrungen in den verschiedenen Projekten gemacht. Speziell auch im Boys Shelter, von dem ebenso über diesem Beitrag Fotos zu sehen sein sollten. Interessant war auch das Ganesh Festival, welches am 1. September angefangen hat und glaube ich noch ein paar Tage weitergeht. Überall in der Stadt sind Bilder von Ganesh zu betrachten, es wird viel gesungen und getrommelt, vorgestern wurden Ganesh Statuen reihenweise im Krishna River versenkt und an einem Tag haben sich die Leute mit Farbe gegenseitig am ganzen Körper angeschmiert. Die Leute hier haben einfach eine ganz andere Mentalität und dementsprechend leben sie auch die Festtage ganz anders aus als wir, viel intensiver und leidenschaftlicher. Ein großer Unterschied zu unserer Kultur ist denke ich generell einfach die Gottesbezogenheit ALLER Leute. Ganz gleich ob jetzt Ganesh oder Jesus. Hier glaubt jeder an irgendwas, sowas wie Atheisten gibt es hier nicht. Wahrscheinlich hängt das aber auch mit dem für uns Europäer nicht begreifbaren Elend zusammen. Die Leute haben eben oft sonst nichts anderes als ihren Glauben. Und auf den stützen sie sich zu 100%. Und gleichzeitig gibt ihnen aber genau das, wie schon in meinem vorigen Blogeintrag erwähnt, eine gewisse innere Zufriedenheit und Akzeptanz mit der Situation in der sie sich befinden. Die Leute glauben es hat schon so seinen Grund dass sie durch diese Zeit bzw. dieses Leben gehen müssen, manche nennen das Karma.

Ich muss zugeben, die Art der Leute hier mit ihrer Situation umzugehen beschäftigt mich bis jetzt am meisten, ich finde es einfach hochinteressant. Aber es gibt natürlich auch über vieles anderes zu erzählen. Es ist zwar jetzt etwas ganz anderes, aber ebenso sehr interessant ist diese völlig neue Situation des auf sich selbst gestellt zu sein. Wäsche mit der Hand zu waschen ist unglaublich mühsam und ich fasse es nicht, dass ich das jetzt ein ganzes Jahr lang machen muss. Aber ich denke ich werde mich schon irgendwann, irgendwie daran gewöhnen. Ebenfalls ein wenig gewöhnungsbedürftig ist der kommunikative Umgang mit den Indern. Egal ob es sich jetzt um Abmachungen oder einen kleinen Plausch handelt. Zum Beispiel nuscheln sie teilweise fürchterlich. Und wegen Abmachungen: Inder setzen eine gewisse Eigenständigkeit einfach prinzipiell voraus; wenn es zum Beispiel heißt: 'Du bist bis Abend bei dem Projekt!' heißt das nicht, dass sie dich von dort am Abend dann wieder abholen, selbst wenn du mit dem Auto hingebracht wurdest bzw. das erste Mal dort bist bzw. dich Nüsse in der Stadt auskennst!

Wegen dem Essen gab es jetzt auch schon vereinzelnt Schwierigkeiten, aber nichts schlimmes. Mein Magen will einfach nicht verstehen, dass mein Frühstück nun aus, seiner Ansicht nach, Gerichten besteht die eigentlich zum Verzehr zu Mittag bestimmt sein sollten, vorallem weil sie scharf sind! Dennoch scheint mir hierbei aber auch wichtig zu erwähnen, dass ich es sooo cool finde, mit den Händen zu essen :P. Es macht schlichtweg Spaß wie ein kleines Kind wieder in seinem Essen herumzumatschen und es wird bestimmt eine Zeit lang dauern, bis ich mich in Österreich dem wieder entwöhnen kann, einfach weil ich jetzt schon, nach nur einer Woche, in dieser Art zu essen voll drinnen bin und mir sowas wie Messer und Gabel nur noch sehr entfernt in den Sinn kommt. Achja, und das muss jetzt auch noch kurz erwähnt werden, hier gibt es Ratten so groß wie Katzen! Das mit den Ratten hat mich, als ich es gehört habe, weniger überrascht bei dem Dreck hier. Nur das mit der Katzengröße hat mir ein dezent mulmiges Gefühl den Magen hinunter gejagt. Vor ein paar Wochen ist es den Volontären passiert, dass sie die Tür offen gelassen haben aber nicht das Licht anließen, was natürlich zur Folge hatte, dass eine riesige Ratte in die Wohnung hereinspaziert ist und sich einem Volontär auf die Brust gesetzt hat. Der hielt die Ratte für einen Einbrecher und hat wie am Spieß aufgeschrien, daraufhin hat die gesamte Wohngemeinschaft die Ratte gejagt, bis schließlich der bereits genannte Volontär eine Glasplatte über sie fallen ließ der ihr aber nur den Schwanz abschnitt, woraufhin die Ratte eine Blutspur durch die ganze Wohnung zog... Ja... ich bin schon gespannt wann ich das erste Mal mit so einer coolen Geschichte daherkomme :P.

Nun, soviel mal dazu. Auch wenn ich in diesem Blogeintrag schon erste Schattenseiten meines Einsatzes geschildert habe, auf die ich mich aber schon zu Hause vorbereitet habe und mit denen einfach jeder rechnen muss der so einen Einsatz macht, so scheint es mir trotzdem hier noch wichtig zu erwähnen, dass ich Indien liebe und sehr glücklich bin genau hier in Indien Erfahrungen, gute wie auch schlechte, sammeln zu dürfen. Ich würde es jetzt nicht karma nennen aber es hat schon so seinen Grund, dass ich durch genau diese Zeit hier gehen muss :P. Naja mir würde jedenfalls bestimmt noch jede Menge einfallen, was ich hier noch schreiben könnte, aber irgendwann muss Schluß sein. Ich melde mich übernächstes Wochenende wieder.


Indische Grüße

Samstag, 3. September 2011

Videovortrag

Eine kurze Erklaerung zu dem Video: Da ich auf das Projekt in dem ich jetzt in Indien arbeite, bzw. auf die Organisation mit der ich meinen Einsatz mache, in meinem Blog noch nicht naeher eingegangen bin, dachte ich, ich stelle einfach meinen kleinen Vortrag, in dem ich mein Indien Projekt vorstelle und bei dem ich von Hc gefilmt wurde, online, um diese Punkte auch der verehrten Leserschaft ein wenig naeher zu bringen!

Hc hat das Video bearbeitet und auch fuer mich auf meinen Blog hochgeladen - vielen Dank Hc!!